Ohrgeräusche (Tinnitus aurium oder kurz Tinnitus) können ganz verschiedene Ursachen haben. Nur sehr selten sind sie Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung. Manchmal tritt ein Tinnitus auch ganz ohne erkennbaren Grund auf – dann dauert er normalerweise nicht länger als eine Minute. Bei manchen Menschen halten die Ohrgeräusche aber über längere Zeit an. Wenn sie länger als drei Monate bestehen bleiben, spricht man von einem chronischen Tinnitus.
Tinnitus ist der lateinische Begriff für „Klingeln“. Das Geräusch, das man bei einem Tinnitus wahrnimmt, kann aber auch ein Pfeifen, Summen, Brummen, Rauschen, Klicken oder Klopfen sein. Es kann in einem oder beiden Ohren zu hören sein. Für manche Menschen fühlt es sich so an, als ob das Geräusch aus dem Kopf stammt; für andere, als würde es von außen kommen. Ein Tinnitus kann dauerhaft da sein oder kommen und gehen; manchmal ist es kaum zu hören, dann wieder sehr laut. Ein Tinnitus kann, muss aber nicht mit einem Hörverlust einhergehen. Meist können Menschen mit einem Tinnitus normal hören.
Häufigste Ursache für Tinnitus ist Lärm, der die Sinneszellen im Innenohr schädigt – etwa durch dauerhafte Lärmbelastung oder ein akustisches Trauma (z. B. Explosion oder Schuss aus nächster Nähe).
Weitere mögliche Ursachen:
Warum genau Ohrgeräusche bei Lärmschäden entstehen, ist nicht abschließend geklärt. Eine verbreitete Theorie: Geschädigte Sinneszellen senden keine Signale mehr, worauf das Gehirn mit verstärkter Aktivität reagiert und „Phantomgeräusche“ erzeugt – ähnlich wie Phantomschmerzen nach einer Amputation.
Ob Stress Tinnitus auslösen kann, ist ebenfalls unklar. Entspannungs-Maßnahmen zeigten bisher keinen direkten Einfluss auf die Ohrgeräusche.
Tinnitus ist verbreitet: Zwischen 5 und 15 % aller Erwachsenen erleben irgendwann eine länger andauernde Tinnitus-Episode. Bei etwa 10 bis 20 % der Menschen mit Tinnitus sind die Ohrgeräusche so stark, dass sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und eine Behandlung nötig ist.
Am häufigsten kommt Tinnitus ab dem 50. Lebensjahr vor. Selten können Ohrgeräusche aber auch schon bei Kindern auftreten. Für jeden Menschen ist es wichtig, sich vor zu lauten Geräuschen zu schützen. Ein einfaches Mittel ist, Orte mit hohem Lärmpegel zu meiden oder sich zum Beispiel mit Gehörschutzstöpseln zu schützen. Das verringert das Risiko, einen Tinnitus zu bekommen oder dass ein schon bestehender Tinnitus chronisch wird.
Schutz vor Lärm – etwa durch Gehörschutzstöpsel – ist die wichtigste Vorbeugung gegen Tinnitus. Die Behandlung hängt von der Ursache ab: Wird eine zugrunde liegende Erkrankung erfolgreich therapiert, verschwindet meist auch der Tinnitus.
Bei unbekannter Ursache steht die Linderung der Beschwerden im Vordergrund. Bei begleitendem Hörverlust kann ein Hörgerät helfen. Zahlreiche angebotene Mittel (pflanzliche Präparate, Nahrungsergänzungsmittel, Medikamente wie Kortison) haben keinen nachgewiesenen Nutzen, können aber Nebenwirkungen haben.
Am besten untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Die Ohrgeräusche bleiben, aber die Lebensqualität kann sich verbessern. Bei plötzlichem Tinnitus (oft mit Hörsturz) wird häufig eine Infusionstherapie angeboten – ein Nutzen ist jedoch nicht belegt, und bestimmte Mittel wie HES können schwere allergische Reaktionen auslösen.